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Stimm-Logopäd:innen und ihre Patient:innen bewerten einen vollständig immersiven VR-Prototyp für die Transferphase der Stimmtherapie

Hansa J, Hansen H · 2025 · International Journal of Speech-Language Pathology · Qualitativ · n = 20 · Stimm-Logopäd:innen (n=7) und Patient:innen mit Stimmstörungen (n=13) · DOI
Sicherheit der Evidenz: Niedrige Sicherheit
Wie dies bewertet wurde

Qualitative Studie (n=20) mit sieben Stimm-Logopäd:innen und dreizehn Patient:innen mit Stimmstörungen. Liefert nützlichen Kontext und erfahrungsbasierte Evidenz; von anderer Art als Effektgrößen-Evidenz.

Die Bewertungen verwenden ein vereinfachtes vierstufiges Schema (Hoch, Mittel, Niedrig, Sehr niedrig), angelehnt an die GRADE working group. Mehr darüber erfahren, wie Studien bewertet werden.

Eine nutzerzentrierte qualitative Evaluation von ProVoiceVR - einem vollständig immersiven, am Kopf getragenen VR-Prototyp - ergab, dass sowohl Stimm-Logopäd:innen als auch Patient:innen mit Stimmstörungen klares Potenzial darin sahen, VR zu nutzen, um Patient:innen beim Üben und Festigen von Stimmtechniken in realistischen alltäglichen Sprechsituationen zu helfen.

Klinische Kernaussage

Eine qualitative Studie, die erfahrungsbasierte Evidenz darüber bietet, wie Stimm-Logopäd:innen und Patient:innen mit Stimmstörungen vollständig immersive VR als Werkzeug für die Transferphase der Stimmtherapie wahrnehmen; sie ergänzt Effektgrößen-Evidenz, ersetzt sie aber nicht.

Wichtigste Ergebnisse

  • Alle Teilnehmenden waren der Auffassung, dass die VR-Anwendung therapeutischen Nutzen in der Stimmtherapie bietet, insbesondere für die Transferphase von der Klinik in den Alltag
  • Drei Kernpotenziale wurden identifiziert: (a) die Identifikation individueller Behandlungsziele durch Beobachtung der Patient:innen in alltagsnahen Situationen, (b) die Anwendung und Festigung erworbenen Stimmverhaltens in realistischen simulierten Situationen, und (c) die Nutzung des im Headset integrierten Mikrofons für Biofeedback
  • Die Teilnehmenden betonten die Bedeutung individuell anpassbarer Szenarien - Publikumsgröße, Publikumsreaktionen, Hintergrundgeräusche - um den Schwierigkeitsgrad für jede:n Patient:in anzupassen
  • Drei Logopäd:innen identifizierten zudem starkes Potenzial für den Einsatz der Anwendung über die Stimmtherapie hinaus, insbesondere bei Redeflussstörungen (Stottern), in denen In-vivo-Training sonst schwer zu realisieren ist
  • Wesentliche genannte Einschränkungen: räumliche Einschränkungen in Therapieräumen, Diskrepanz zwischen der Akustik des realen Raums und der simulierten Umgebung, Gewicht des Headsets sowie die Notwendigkeit einer Vorbereitung durch die Therapeut:innen vor dem Einsatz mit Patient:innen

Hintergrund

Eine langjährige Herausforderung in der Stimmtherapie ist die Transferphase - Patient:innen dabei zu unterstützen, die in der Klinik erlernten Stimmtechniken auch im Alltag zu nutzen. Reale Sprechsituationen bringen unterschiedliche Geräuschpegel, Publikumsgrößen, sozialen Druck und kommunikative Anforderungen mit sich, die sich im Behandlungsraum nur schwer nachbilden lassen. Virtuelle Realität (VR) bietet die Möglichkeit, realistische, immersive Sprechumgebungen zu schaffen, in denen Patient:innen Stimmtechniken unter therapeutisch kontrollierten Bedingungen üben können.

Hansa und Hansen (Hochschule Osnabrück, Deutschland) führten die erste nutzerzentrierte qualitative Evaluation eines vollständig immersiven, am Kopf getragenen VR-Prototyps durch, der speziell für die Transferphase der Stimmtherapie entwickelt wurde. Der evaluierte Prototyp, ProVoiceVR, wurde von dem deutschen Unternehmen VReedback GmbH als Forschungskooperationspartner entwickelt.

Was die Forscher:innen taten

Zwanzig Personen nahmen an der Evaluation teil: sieben Logopäd:innen mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung in der Behandlung von Stimmstörungen sowie dreizehn Patient:innen mit Stimmstörungen, die sich aktuell in der Transferphase der Stimmtherapie befanden. Die Patient:innen waren Berufssprecher:innen oder Personen, für die Stimmgebrauch eine wesentliche Rolle im Alltag spielt.

Jede:r teilnehmende Logopäd:in erhielt zunächst eine 1- bis 2-stündige Einführung in die VR-Anwendung. Ein vorgegebenes Protokoll wurde nicht festgelegt; die Teilnehmenden konnten frei entscheiden, wie sie den Prototyp im Verlauf von drei Therapiesitzungen pro Patient:in zwischen März und August 2023 einsetzten. Die Hardware bestand aus einem Apple iPad der 9. Generation (für das Steuerpanel der Therapeut:innen) und einem Meta-Quest-2-Headset (von den Patient:innen getragen), die über WLAN verbunden waren.

Nach Abschluss des Tests wurden mit allen Teilnehmenden semistrukturierte Interviews geführt (40 bis 60 Minuten mit Patient:innen, 50 bis 90 Minuten mit Logopäd:innen). Sechzehn Interviews fanden persönlich statt; vier wurden per Videokonferenz durchgeführt. Zur Kodierung und thematischen Analyse des Materials kam die qualitative Inhaltsanalyse (Kuckartz und Rädiker) zum Einsatz, um Themen zu Nutzen, Bedienbarkeit und Weiterentwicklungsempfehlungen zu identifizieren.

Was sie fanden

Alle Teilnehmenden waren der Auffassung, dass die VR-Anwendung therapeutische Vorteile in der Stimmtherapie bietet. Drei Kernpotenziale wurden besonders nachdrücklich bestätigt:

  1. Identifikation individueller Behandlungsziele durch Beobachtung. Zwei Logopäd:innen betonten besonders, dass die Beobachtung von Patient:innen in simulierten Alltagssituationen Verhaltensmuster (Haltung, Atmung, Stimmspannung) offenbarte, die in der klassischen Face-to-Face-Therapie nicht in Erscheinung traten.
  2. Anwendung und Festigung erworbenen Stimmverhaltens in realistischen Situationen. Fünf Logopäd:innen und acht Patient:innen beschrieben den Wert, Stimmtechniken in simulierten Szenarien zu üben, die in der Klinik nicht zuverlässig nachgebildet werden können - vor vielen Zuhörenden sprechen, gegen Hintergrundgeräusche sprechen, vor einer Gruppe sprechen.
  3. Einfach zu nutzendes Biofeedback. Logopäd:innen, die Biofeedback bereits einsetzen oder dessen Einsatz erwägen, sahen Potenzial im integrierten Mikrofon des Headsets, um Stimmparameter während oder nach Übungen aufzuzeichnen und darzustellen.

Über die Stimmtherapie hinaus erkannten drei Logopäd:innen ein starkes Potenzial für den Einsatz der Anwendung bei Redeflussstörungen (Stottern) und in weiteren In-vivo-Trainingskontexten. Die Teilnehmenden betonten die Bedeutung anpassbarer Szenariovariablen (Publikumsgröße, Publikumsreaktionen, Hintergrundgeräusche), um den Schwierigkeitsgrad für jede:n einzelne:n Patient:in einzustellen.

Warum das wichtig ist

Dies ist die erste qualitative Studie, die die Perspektiven sowohl von Klinik-Fachkräften als auch von Patient:innen mit Stimmstörungen zu einem vollständig immersiven VR-Werkzeug für die Stimmtherapie erfasst. Der Konsens, dass VR die Transferphase-Lücke in der Stimmtherapie auf bedeutsame Weise schließen könnte, ist relevant, da diese Herausforderung sich über Jahrzehnte klinischer Praxis hält. Der nutzerzentrierte Ansatz stellt sicher, dass die zukünftige Entwicklung von VR-Stimmwerkzeugen sich an den Bedürfnissen und Präferenzen derjenigen orientiert, die sie tatsächlich anwenden werden.

Limitationen

Die Studie evaluierte Wahrnehmungen und Präferenzen, nicht Stimmergebnisse - sie liefert keine Effektgrößen-Evidenz. Die endgültige Kodierung erfolgte ausschließlich durch die Erstautorin, sodass die Möglichkeit bleibt, dass relevante Aussagen übersehen oder unangemessen kodiert wurden. Die teilnehmenden Patient:innen wurden von den Logopäd:innen ausgewählt, ohne Dokumentation darüber, wie viele initial angesprochen wurden oder abgelehnt haben. Member-Checking mit den Teilnehmenden wurde aus Zeitgründen nicht durchgeführt. Die Stichprobe wurde im Umfeld einer einzigen Hochschule in Deutschland rekrutiert, was die Übertragbarkeit einschränkt. Die Studie untersuchte weder das langfristige Engagement noch, ob die anfängliche Begeisterung bei wiederholter Nutzung erhalten bliebe. Die Autor:innen gehen davon aus, dass für die dreizehn teilnehmenden Patient:innen Datensättigung erreicht wurde, weisen jedoch darauf hin, dass zusätzliche Perspektiven von Logopäd:innen das Spektrum erfasster Praxisansätze erweitert hätten.

Implikationen für die Praxis

Vollständig immersive VR könnte eine langjährige Herausforderung in der Stimmtherapie adressieren - Patient:innen dabei zu unterstützen, in der Klinik erlernte Stimmtechniken in vokal anspruchsvollen Alltagssituationen anzuwenden. Nutzerzentriertes Design unter Einbeziehung sowohl der Klinik-Fachkräfte als auch der Patient:innen, die sie betreuen, ist essenziell für die Entwicklung praktikabler und bedeutungsvoller VR-Werkzeuge. VR-Anwendungen in der Stimmtherapie sollten anpassbare Schwierigkeitsstufen (Publikum, Geräuschpegel, Szenariokomplexität) und integrierte Biofeedback-Optionen für die nutzenden Therapeut:innen bieten und gleichzeitig intuitiv genug bleiben für ambulante Settings mit Zeitdruck.

Diese Studie zitieren

Wenn Sie diese Studie in Ihrer Arbeit zitieren, sind dies die kanonischen Zitierformate:

APA 7th
Hansa, J., & Hansen, H. (2025). User-centered qualitative evaluation of a fully immersive, head-mounted virtual reality application prototype to facilitate real-life transfer in voice therapy. International Journal of Speech-Language Pathology. https://doi.org/10.1080/17549507.2025.2473075.
AMA 11th
Hansa J, Hansen H. User-centered qualitative evaluation of a fully immersive, head-mounted virtual reality application prototype to facilitate real-life transfer in voice therapy. International Journal of Speech-Language Pathology. 2025. doi:10.1080/17549507.2025.2473075.
BibTeX
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  author = {Hansa, J. and Hansen, H.},
  title = {User-centered qualitative evaluation of a fully immersive, head-mounted virtual reality application prototype to facilitate real-life transfer in voice therapy},
  journal = {International Journal of Speech-Language Pathology},
  year = {2025},
  doi = {10.1080/17549507.2025.2473075},
  url = {https://withvr.app/de/evidence/studies/hansa-2025}
}
RIS
TY  - JOUR
AU  - Hansa, J.
AU  - Hansen, H.
TI  - User-centered qualitative evaluation of a fully immersive, head-mounted virtual reality application prototype to facilitate real-life transfer in voice therapy
JO  - International Journal of Speech-Language Pathology
PY  - 2025
DO  - 10.1080/17549507.2025.2473075
UR  - https://withvr.app/de/evidence/studies/hansa-2025
ER  - 

Kennen Sie Forschung, die in diese Evidenzbasis gehört? Wenn eine relevante peer-reviewte Studie hier nicht aufgeführt ist, senden Sie die Quellenangabe an hello@withvr.app. Die Evidenzbasis wird aktuell gehalten, während die Literatur wächst.

Finanzierung & Unabhängigkeit

Gefördert vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen 16SV8918). Der in dieser Studie evaluierte Prototyp (ProVoiceVR) wurde von der VReedback GmbH, Deutschland, entwickelt, die das Forschungsteam technisch unterstützte. Keine Beteiligung von withVR BV an Finanzierung, Studiendesign oder Autorenschaft. Zusammenfassung unabhängig von withVR auf Basis des veröffentlichten Artikels erstellt.

Zuletzt geprüft: 2026-05-12 Nächste Überprüfung geplant: 2027-04-21 Geprüft von: Gareth Walkom