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Virtuelle Raumgröße und Zuhörerentfernung beeinflussen den Stimmgebrauch
Wie dies bewertet wurde
Kleine explorative experimentelle Studie (n = 8), ausschließlich erwachsene Frauen, eine einzige Umgebung. Die Ergebnisse sind hinweisgebend, aber nicht generalisierbar, bis sie in größeren, gemischten Stichproben und in Populationen mit Stimmstörungen repliziert wurden.
Die Bewertungen verwenden ein vereinfachtes vierstufiges Schema (Hoch, Mittel, Niedrig, Sehr niedrig), angelehnt an die GRADE working group. Mehr darüber erfahren, wie Studien bewertet werden.
Unter Verwendung des Rooms-Moduls von Therapy withVR stellte diese Studie fest, dass die Entfernung zwischen Sprecher:in und Zuhörer:in in virtuellen Umgebungen die Stimmintensität und die mittlere Sprechgrundfrequenz signifikant beeinflusste, wobei ausgebildete Sängerinnen über die Entfernungsbedingungen hinweg systematischere Stimmanpassungen zeigten als untrainierte Sprecherinnen.
Die Evidenz deutet darauf hin, dass virtuelle Entfernungsreize allein Veränderungen in Stimmintensität und Tonhöhe auslösen können und dass trainierte Sprecher:innen ihre Stimme möglicherweise systematischer skalieren als untrainierte. Es handelt sich um eine kleine Studie an erwachsenen Frauen; die Ergebnisse müssen in größeren, diverseren Stichproben repliziert werden.
Wichtigste Ergebnisse
- Die Entfernung zwischen Sprecher:in und Zuhörer:in beeinflusste sowohl Stimmintensität als auch Tonhöhe signifikant (p < .001)
- Ausgebildete Sängerinnen steigerten die Intensität um ca. 5,3 dB vom Baseline-Wert bis zu 15 m; untrainierte Sprecherinnen steigerten sie um ca. 1,5 dB
- Eine signifikante Wechselwirkung zwischen Gruppe und Entfernung zeigte, dass Sängerinnen ihre Stimme systematischer an virtuelle Entfernungsreize anpassen
- Die Raumgröße allein führte zu keinen zuverlässigen Veränderungen der Stimmleistung
Hintergrund
Wenn wir sprechen, passen wir unsere Stimme unbewusst an unsere Umgebung an - wir projizieren stärker in einem großen Raum, heben die Tonhöhe an, wenn jemand weit entfernt ist, und modulieren unsere Lautstärke je nach Hintergrundgeräusch. Doch finden diese Anpassungen auch in virtuellen Umgebungen statt, in denen die visuellen Reize simuliert sind?
Daşdöğen und Hitchcock gingen dieser Frage nach, indem sie in VR die Raumgröße und die Entfernung zwischen Sprecher:in und Zuhörer:in variierten und verglichen, wie ausgebildete Sängerinnen und untrainierte Sprecherinnen auf diese visuell-räumlichen Reize reagieren.
Was die Forschenden taten
Acht erwachsene weibliche Teilnehmerinnen (vier ausgebildete Sängerinnen mit mindestens grundständiger Gesangsausbildung, klassifiziert als “Expertinnen”; vier untrainierte Sprecherinnen, klassifiziert als “Novizinnen”) absolvierten eine Spontansprachaufgabe (“Was würden Sie tun, wenn Sie unbegrenzt Geld hätten?”) in acht IVR-Bedingungen, die über das Rooms-Modul von Therapy withVR auf einem Oculus Quest 3 Headset präsentiert wurden. Die Bedingungen variierten Raumgröße (klein: 5 m × 4 m × 4 m vs. groß: 20 m × 20 m × 20 m), Sprecher-Zuhörer-Entfernung (1 m, 3 m, 15 m) sowie Kombinationen aus beidem. Eine Baseline mit verbundenen Augen ohne visuellen Input war ebenfalls enthalten. Die auditiven Bedingungen wurden konstant gehalten, indem ausschließlich auf die natürliche Akustik des Therapieraums zurückgegriffen wurde.
Die VR-Plattform erlaubte eine präzise Festlegung der Raumdimensionen und der Avatar-Platzierung, während die physische Raumakustik konstant gehalten wurde - so wurde sichergestellt, dass sich nur visuelle Variablen änderten. Stimmintensität (SPL) und Sprechgrundfrequenz wurden aufgezeichnet und analysiert.
Was sie fanden
Die Entfernung zwischen Sprecher:in und Zuhörer:in hatte einen starken Effekt sowohl auf die Stimmintensität als auch auf die Tonhöhe: Mit zunehmender Entfernung der virtuellen Zuhörerin steigerten die Sprecherinnen ihre Lautstärke und Tonhöhe auf natürliche Weise. Der Effekt war bei den ausgebildeten Sängerinnen besonders ausgeprägt, die systematische, gestufte Steigerungen zeigten - etwa 5,3 dB lauter vom Baseline-Wert bis zur 15-m-Bedingung. Untrainierte Sprecherinnen nahmen kleinere, weniger differenzierte Anpassungen vor (etwa 1,5 dB).
Die Raumgröße allein führte bei keinem der beiden Maße zu zuverlässigen Veränderungen, was darauf hindeutet, dass die Anwesenheit und Entfernung einer zuhörenden Person für das Stimmverhalten wichtiger ist als der Raum an sich.
Warum das wichtig ist
Diese Studie zeigt, dass virtuelle Umgebungen die Stimmproduktion auf messbare und vorhersagbare Weise beeinflussen - selbst wenn die Teilnehmenden wissen, dass die Umgebung simuliert ist. Dass ausgebildete Sängerinnen feinere Stimmanpassungen zeigten, legt nahe, dass Stimmerfahrung prägt, wie Menschen auf visuell-räumliche Reize reagieren, und dass VR genutzt werden könnte, um diese Fähigkeiten bei Personen mit weniger flexibler Stimmkontrolle zu entwickeln.
Für Logopäd:innen, die an Stimmprojektion, dem Management von Stimmbelastung oder der Vorbereitung auf Auftritte arbeiten, bietet VR eine Möglichkeit, Umgebungsbedingungen systematisch zu variieren, ohne die Praxis zu verlassen. Das Rooms-Modul von Therapy withVR bot die präzise Kontrolle, die nötig war, um einzelne Variablen zu isolieren - etwas, das in einem realen Umfeld nicht möglich wäre.
Limitationen
Die Stichprobe war sehr klein (8 Teilnehmerinnen). Es wurden ausschließlich objektive akustische Maße erhoben - keine selbstberichtete Stimmanstrengung oder wahrgenommene Lautstärke. Das Konstanthalten der akustischen Bedingungen isolierte zwar die visuellen Effekte, reduzierte aber die ökologische Validität. Multisensorische Interaktionen zwischen visuellen, auditiven und somatosensorischen Kanälen wurden nicht untersucht.
Implikationen für die Praxis
Das relativ flache Profil der Stimmanpassung untrainierter Sprecher:innen über die Entfernungsbedingungen hinweg könnte auf eine weniger effiziente Stimmskalierung hinweisen, was die Stimmbelastung im Laufe der Zeit erhöhen kann. VR-basierte visuelle Manipulationen könnten in die Stimmarbeit integriert werden, um Personen dabei zu unterstützen, eine kontextangemessene Stimmprojektion zu erlernen. Die hohe Steuerbarkeit der Plattform macht sie zudem für die Untersuchung des Managements von Stimmbelastung geeignet.
Implikationen für die Forschung
Eine Ausweitung dieser Arbeit auf gemischtgeschlechtliche Stichproben, auf Personen mit Stimmstörungen und auf unterschiedliche akustische Umgebungen (Nachhall, Lärm) würde die Evidenzbasis stärken. Ob VR-basiertes Entfernungstraining auf reales Stimmverhalten übertragbar ist, bleibt eine offene Frage.
Diese Studie zitieren
Wenn Sie diese Studie in Ihrer Arbeit zitieren, sind dies die kanonischen Zitierformate:
@article{dasdogen2026,
author = {Dasdogen, U. and Hitchcock, J.},
title = {The Effects of Visual Input in Virtual Reality on Voice Production: Comparing Trained Singers and Untrained Speakers},
journal = {Journal of Voice},
year = {2026},
doi = {10.1016/j.jvoice.2026.01.001},
url = {https://withvr.app/de/evidence/studies/dasdogen-2026}
}TY - JOUR
AU - Dasdogen, U.
AU - Hitchcock, J.
TI - The Effects of Visual Input in Virtual Reality on Voice Production: Comparing Trained Singers and Untrained Speakers
JO - Journal of Voice
PY - 2026
DO - 10.1016/j.jvoice.2026.01.001
UR - https://withvr.app/de/evidence/studies/dasdogen-2026
ER - Kennen Sie Forschung, die in diese Evidenzbasis gehört? Wenn eine relevante peer-reviewte Studie hier nicht aufgeführt ist, senden Sie die Quellenangabe an hello@withvr.app. Die Evidenzbasis wird aktuell gehalten, während die Literatur wächst.
Finanzierung & Unabhängigkeit
Diese Studie nutzte die Software Therapy withVR. Die Forschung ist unabhängig von withVR BV - das Unternehmen hat die Studie weder finanziert noch konzipiert oder verfasst. Die Offenlegung der Förderung durch die Autor:innen findet sich in der Publikation. Keine Beteiligung von withVR BV an Finanzierung, Studiendesign oder Autorenschaft. Zusammenfassung unabhängig von withVR auf Basis des veröffentlichten Artikels erstellt.